Interview mit Alexander Bálly zu „Joana auf Echo-Hall“

Huhu ihr Lieben,

heute geht es mit dem Interview mit Alexander Bálly weiter.

Seid gespannt was er so zu berichten hat und welche Einblicke ihr bekommt:

1) Wie kam es nach nach deiner Krimi-Reihe in der Holledau zu einem Kinderbuch?

An diesem Buch habe ich ungewöhnlich lange geschrieben. Ich brütete wohl ein halbes Jahr über der Idee. Das erste Wort schrieb ich 22.3. 2015 und es erschien erst im November 2019. In der Zeit schrieb ich mehrere Krimis. Es war nie mein Hauptprojekt. So gab es immer wieder große Lücken im Schaffensprozess. Es war das Buch, an dem ich weiterschrieb, während ich meine Krimis entwickelte. Kontrastprogramm sozusagen.

Warum überhaupt ein Kinderbuch? Geschrieben habe ich es aber für meine Nichten, besonders für mein älteres Patenkind, damit sie, wenn sie aus dem Buchstabieren herauskommt und ins Leserattenalter eintritt, auch was von mir lesen kann.

Es gab aber noch einen anderen Grund: Ich wollte wissen, ob ich diese Herausforderung schaffe. Für Kinder zu schreiben sollte man keinesfalls unterschätzen. Das ist schwieriger, als man es landläufig meint. Ich war mir anfangs absolut nicht sicher, ob ich es schaffe und habe dabei sehr viel gelernt.

2) Es gibt ja einiges magische Türen, Kleiderschränke, Portale oder Bücher, die einen in andere Welten bringen.Wie bist du auf Bilder gekommen und wie hast du sie für dein Buch ausgesucht?

Mit etwa 12 Jahren besuchte ich die Alte Pinakothek und war begeistert. Absolut! Also wirklich und ernsthaft: Flash! Bang! Blitzschlag! Bis 15 beschäftigte ich mich sehr intensiv und völlig unsystematisch mit verschiedenen Malern und Epochen, etwas später dann ein wenig planvoller. Noch später an der Uni studierte ich sogar ein wenig Kunstgeschichte.

Ich lernte viel, doch alles Wissen konnte mir nie den Zauber in einem guten Bild rauben. In eine guten Gemälde finde ich eine in Farbe geronnene Welt. Und es sind tausend wunderbare, herrliche, faszinierende Welten, die in einer Galerie hängen. Welten, die immer auch meinen Geist anregten, in die ich zu gerne eingetaucht wäre.

3) Im Buch kommen ja reichlich Bilder vor. Wie hast du sie für dein Buch ausgesucht?

Es fing mit lieben, alten Bekannten an. Eines der Bilder, das „Bad der Diana“ von Boucher hing bei meiner Großmutter als Gobelinstickerei über ihrem Sofa. Andere kannte ich aus Museen und eines, ein Aquarell, hing sogar im Schlafzimmer meiner Eltern, als Original. Andere kannte ich als gute Drucke. Das eine Bild im Esszimmer, mit dem meine Geschichte in die Fantasyecke gekickt wird hatte ein Bild als Vorbild, das ich leider immer noch nicht im Original gesehen habe, aber oft als Druck.

Es fing also mit guten, alten Freunden an. Doch bald merkte ich, das allein reicht nicht. Der ganze Bilderreigen sollte möglichst auch eine kleine, ganz unaufdringliche Einführung in die Kunstgeschichte sein. Edutainment, genauer EduTAINment, mit deutlichem Schwerpunkt auf die Unterhaltung und der Einladung, die angerissenen Themen noch weiter zu vertiefen. Also suchte ich nach Bildern aus verschiedener Epochen und Genres, die mir geeignet erschienen, diesen Reigen zu ergänzen. Sie sollten typisch sein, gut zu beschreiben sein und eine Botschaft an den Betrachter haben, die man ohne zu große Mühe aus im Bild selbst entdecken kann.

4) Die Charaktere haben ihren Charme. Wie kam es zu Joana und Sir Albert?

Joana war von Anfang an klar: Sie sollte intelligent sein, mutig und mit wachen Augen durchs Leben gehen. Dann musste ich sie nur noch zwingen, sich allein zu beschäftigen, sie mit viel Langeweile versorgen und mit Bildern umgeben. Dadurch kam die Geschichte rasch von ganz allein ins Rollen und ich hoffe, der Leser wird mitgerissen.

Sir Albert fing leider als Abziehbild an, als ein zwar lustiges, aber doch recht flaches Klischee. Der erste Dialog mit ihm war wunderbar einfach. Doch ab dem zweiten wurde es mir klar, dass dieser komische Kauz rasch an Faszination verlieren würde, wenn er weiterhin dieser steife und empathielose Seelenkrüppel bleibt. So zwang ich ihn mit den Abendfragen dazu, sich mit Joana zu beschäftigen. Dadurch bekam er immer mehr Konturen und Tiefe, bis ich dann schließlich auch ihm eine Geschichte und einen Konflikt geben konnte.

Das klingt nun alles ganz schrecklich analytisch und so, als wäre es alles genau durchdacht und planvoll gestaltet worden. So war es nicht. Ich erkannte nur, dass die Figur in der Geschichte sich rasch abnutzte und probierte einfach etwas mit ihr aus. Bei Sir Albert hat es prima geklappt. Bei Fanny zum Beispiel klappte es gar nicht.

5) Wenn man sich nun in einem neuen Genre aufhält, worauf muss man da achten? Oder schreibt man einfach drauf los?

Das kommt wohl auf das Genre an. Es ist sicher gut, vergleichbare Bücher zu kennen. So lernt man die ungeschriebenen Regeln des Genres kennen, die speziellen Motive und natürlich auch die Erzähltraditionen.

Und dann? Dann sollte man seiner Geschichte vertrauen und mutig drauf los schreiben, aber dabei immer den angepeilten Leser, die speziellen Zielgruppe, im Auge haben.

6) Das Cover ist ja das A und O. Was war dir hier besonders wichtig?

Die Geschichte ist das A und O. Das Cover ist nicht unwichtig, aber ich denke, es ist bei weitem überschätzt. Manche Kollegin und mancher Kollege wird sich schon nach handlichen Felsbrocken bücken, um mich zu steinigen, doch meine These lautet:

Ein Cover sollte einen (nur einen) Eyecatscher haben, in seiner Gestaltung eine (nur eine) Emotion klar vermitteln, die im Buch ein Thema ist, einen ordentlichen und knappen (!!!) Klappentext haben und ansonsten jeden groben gestalterischen Fehler vermeiden. Das ist schwer genug, aber es reicht. Weniger ist da oft mehr.

Bei Echo-Hall stand als erstes die Farbe fest. Ein warmes rotbraun, ein wenig erdig, nicht lebhaft, eher ruhig, aber auch nicht trist. Und dann suchte ich lange nach einem Bild mit einem kleinen Mädchen, das einen altmodischen, kleinen Koffer bei sich hat und das wartet. Ein Kind auf dem Bahnsteig wäre ideal gewesen, doch das Bild, das jetzt auf dem Umschlag ist, verströhmt einen ruhigen Zauber und strahlt Verlorenheit aus, aber ohne Verzweiflung. Je länger ich das Bild auf meinem Buch sehe, um so besser gefällt es mir.

Und ja. Das Cover habe ich selbst gemacht.

7) Du hast Echo-Hall bewusst keinen festen Platz auf der Welt gegeben. Sondern der Leser darf selbst für sich entscheiden wo es sein soll. Wo ist es für dich persönlich?

Ich muss gestehen, dass ich es wirklich nicht weiß. Jede hohe Gartenmauer, hinter der ein großer parkartiger Garten liegt und darin ein großes, altes Haus, regt mein Gehirn an. Dahinter sehe ich ein Rätsel, ein Geheimnis und möglicherweise ein Wunderland.

Echohall ist also vielleicht gar nicht weit weg, und möglicherweise fast überall.

8) Wie viel aus deiner Jugend steckt in dem Buch?

Meine Begeisterung für Bilder natürlich. Meine Leidenschaft für das Betrachten von Bildern. Das ganz sicher. Doch darüber hinaus sehr wenig. Ich habe zwar einiges erlebt und es mag Dich überraschen, doch ein zehnjähriges Mädchen war ich noch nie – bis jetzt.

Doch das kann man vielleicht sagen: Joana war die Freundin in der Kindheit, die ich mir immer wünschte und nie hatte. Sie erlebt genau die Abenteuer, für die ich damals vielleicht ein Gehör aber ganz sicher nicht mein Augenlicht gegeben hätte, um sie zu erleben.

9) Man liest ja hier deine Vorliebe für Kunst heraus. Hast du auch das ein oder andere Lieblingswerk hier verpackt? Oder wenn nicht warum?

Lass uns mal zusammen in die alte Pinakothek gehen, dann zeige ich Dir ein paar meiner Lieblingsbilder. Doch zwei sind bei näherer Betrachtung nicht ganz jugendfrei und aus diesem Grund nicht ins Buch gekommen. Ein anderes ist erst dann spannend, wenn man ganz genau hinsieht. Auch das wäre für Echo-Hall nicht geeignet gewesen.

10) Kommen wir nochmal zum Cover zurück: Interessant wie du zum Cover stehst. Ja die Geschichte ist das wichtigste, aber so für mich als Leser, ist das Cover der erste Kontakt, also A und O um auf das Buch aufmerksam zu werden.

Dann muss ich Dich zurückfragen: Wie hat er Dir gefallen? Sind meine Überlegungen aufgegangen?Hat er Dich angesprochen?

Ich muss ehrlich gestehen, dass mir das Cover erst mit der Zeit gefallen hat. Das liegt aber auch viel daran, dass braun einfach nicht so meine Farbe ist. Das Bild mit dem Mädchen hat mir allerdings von Anfang an gefallen.

11) Das zweite ist der Klappentext. Wie leicht geht dir dieser von der Hand oder ist es jedesmal aufs Neue kniffelig?

Der Klappentext … hihihi … Leicht ist er nie. Er ist immer eine Herausforderung und ein Autor ist sehr oft viel zu Dicht dran, um einen knackigen Text zu schreiben. Doch ich habe für mich eine Methode gefunden. Diese Methode macht es leichter, aber wirklich leicht, das wird es nie.

Jetzt kommen wir zum Gewinnspiel:

Teilnahmebedingungen:

  • ihr seid mindestens 18 Jahre oder habt die Erlaubnis eurer Erziehungsberechtigten
  • ihr seid damit einverstanden, dass eure Email-Adresse für das Gewinnspiel gespeichert wird und im Gewinnfall an den Autor weiter geleitet wird. Die Daten werden nach dem Gewinnspiel gelöscht.
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung der Gewinne ist ausgeschlossen
  • Die Gewinner werden per Mail von mir benachrichtigt.
  • Mit der Teilnahme am Gewinnspiel gelten die Teilnahmebedingungen als im vollem Umfang akzeptiert.

Wie stellt ihr euch Echo-Hall vor? Schreibt einen kleinen Text oder malt ein Bild. Schickt mir dieses an chiasbuecherecke@web.de oder wartet noch die nächsten Beiträge ab. Es wird noch einen besonderen Einblick ins Buch.

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